Ab Juli Videosprechstunde – Wellen schlagen hoch

Ab Juli Videosprechstunde – Wellen schlagen hoch

Mit dem Doktor skypen – Videosprechstunde noch umstritten

Sie soll ein Ausweg aus dem Ärztenotstand auf dem Land sein. Sie soll bei überfüllten Wartezimmern Entspannung bringen. Sie soll manchen Hausbesuch ersparen.  Ab Juli 2017 wird es im EBM honoriert, wenn Patienten nicht in die Sprechstunde kommen, sondern stattdessen in einer Videosprechstunde mit ihrem Doktor skypen.

Für die Videosprechstunde ab Juli 2017 gibt es nicht von allen Seiten Beifall. Denn die Kassen beispielsweise bauen bei der Abrechnung der Videosprechstunde Bremsen ein. Laut „Ärztezeitung“ vom 01. Februar 2017 gibt es einen Beschlussentwurf  des Bewertungsausschusses zur Einführung der Videosprechstunde. Demnach können pro Video-Konsultation 137 Punkte bzw. 14,43 Euro abgerechnet werden. Aber  das Volumen pro Quartel soll bei 2.393 Punkten gedeckelt werden. Geht das durch, darf die Arztpraxis (auch bei zwei oder mehr Ärzten) pro  Quartal maximal 17,5 Videosprechstunden abrechnen.

Will sich KBV  erneute Mediziner-Schelte ersparen?

Und was sagt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dazu? Offiziell bis jetzt noch nichts. Wie die Ärztezeitung vermeldet, führt die KBV dazu noch Gespräche. Offensichtlich will sich der KV-Dachverband eine ähnlich heftige Mediziner-Schelte ersparen, wie es sie u.a. beim bundeseinheitlichen Medikationsplan gegeben hatte. Da – so lautete der Vorwurf – würden die beschlossenen Honorare kaum dazu taugen, die neuen Regelungen auch engagiert umzusetzen.

Klar sind derzeit zumindest die Rahmen-Parameter für die Abrechnung der Videosprechstunde. So muss der Patient anfangs  persönlich in der Praxis den Arzt kontaktiert haben. Eine Behandlung ausschließlich per Videosprechstunde kann nicht abgerechnet  werden.

Honorar gibts als Zuschlag zu Versicherten- bzw. Grund-Pauschale

Geht es nach oben genannten Beschlussentwurf, kann  die visuelle Sprechstunde genutzt werden für die Verlaufskontrolle bei Augenerkrankungen, rheumatologischen Erkrankungen,bei chronischen oder offenen Wunden sowie nach strahlentherapeutischer Behandlung. Auch diese Festlegungen sieht der Entwurf vor: Die Leistung kann als Zuschlag zur Versichertenpauschale der Haus- und Kinderärzte sowie zu den Grundpauschalen zahlreicher Fachärzte abgerechnet werden.Als Zuschlag angesetzt werden kann die Videosprechstunde auch zur bisherigen Bereitschaftspauschale und zur schmerztherapeutischen Grundpauschale.

Praxis muss Kamera, Bildschirm und flottes Internet gewährleisten

Die Voraussetzungen, die Ärzte und Video-Dienstleister für den Einsatz der  Videosprechstunde lgewährleisten müssen, nennt der Bundesmantelvertrag Ärzte, Anlage 31b. Das betrifft die folgende Geräte-Ausstattung in der Praxis: Kamera, Bildschirm, ein Online-Anschluss ab 2000 kbit/sek. im Download, Mikrofon und Lautsprecher. Außerdem sind diese Datenschutz-Vorkehrungen Pflicht: Datenfluss Arzt – Patient ohne zentralen Server, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der übertragenen Daten sowie Speicherverbot der Inhalte der Sprechstunde für den Dienstanbieter.

Foto oben: pixabay