„Gern auch karierte Maiglöckchen für die neue Praxis“

„Gern auch karierte Maiglöckchen für die neue Praxis“

Neu eingerichtete Arztpraxen haben einiges gemeinsam – aber kein Praxis-Projekt gleicht dem anderen

Jedes Praxis-Projekt ist für Planer und Einrichter eine neue Herausforderung – das weiß ERNST WETZEL, Senior-Geschäftsführer von TEAM 77 Praxiseinrichtungen aus langjähriger Arbeit. PraxXpert.de hat mit dem Unternehmer aus dem nordrhein-westfälischen Erkrath in Sachen Praxis-Projekt über Erfahrungen bei Umbau und Einrichtung von Haus- und Facharztpraxen gesprochen.

 

Welche Vorschriften gelten für ein Praxis-Projekt, die bei der Einrichtungs-Planung einer Arztpraxis zu beachten sind?

Portrait Ernst Wetzel

Ernst Wetzel TEAM 77

ERNST WETZEL: Das hängt immer von der medizinischen Fachrichtung ab. Ein Chirurg beispielsweise hat für seine Praxis andere fachspezifische Vorgaben einzuhalten als ein Internist oder ein Hausarzt. Die Mediziner kennen sich selbst gut mit den jeweiligen Vorschriften aus.

Wir als Einrichtungsplaner übernehmen dafür die fachbezogene Beratung. Welche Bedingungen beispielsweise nötig sind, um den gesetzlichen Vorschriften für das Umfeld bei Operationen gerecht zu werden. Da geht es z.B. um verschiedene Operationsräume, um Vorkehrungen für die Reinraumklimaanlage oder die erforderlichen Lichtbedingungen. Oder nehmen wir den Personalbereich, für den eine separate Personal-Umkleide gefordert ist.

An anderer Stelle holen wir auch externe Fachleute hinzu, die – beispielsweise bei einer Röntgenarztpraxis – auf  Strahlenschutz spezialisiert sind. Für jeden Part gibt es Spezialisten – wir binden sie mit ein und erst so entsteht das Ganze, ein rundes Projekt.

 

Praxiseinrichter gehen ein Praxis-Projekt ganz unterschiedlich an. Die Einen greifen hautsächlich auf Möbel-Modulreihen zurück. Andere entwerfen die Einrichtung individuell und fertigen dann oft – so wie Ihr Unternehmen – in eigenen Werkstätten. Wie ist in diesem Fall insgesamt der Gang der Dinge für den Mediziner?

3 Generationen TEAM 77

Drei Generationen TEAM 77 – Carsten Wetzel, Ernst Wetzel, Justus Wetzel, Kian Wetzel, Arno Wetzel.

ERNST WETZEL: Im Einzelnen beginnt es mit einer Handskizze des funktionellen Ablaufs in der Praxis. Es wird also zunächst skizziert und dem Arzt vorgestellt. Anschließend folgen die Funktionsplanung, die Planung der Innenarchitektur und die Gesamtgestaltung. Bei unseren Projekten nutzen wir teilweise ebenfalls Modul-Möbel hauptsächlich für die Funktionsräume.

Das sind die Anfangs-Schritte bevor in unserem Ausstellungsraum Referenzen gezeigt und erste Bemusterungen zu Materialien usw. angedacht werden. Wenn da alles passt, kommen wir mit dem Arzt tiefer ins Gespräch.

Wir reden dann über Funktionsplan, Planungsvertrag und CAD-Plan, der sich mit Aufteilung der Räume, mit Elektro- und EDV-Anlage, Möblierung sowie Lichtkonzept befasst. Später kommt die Checkliste für die Handwerker z.B. zu Raumdämmung und Schallschutz für Wände und Türen dazu. Erst wenn Bau- und Elektro-Planung stehen, geht es in die Details zu Materialien, Farben, Licht und was wo bei der Möblierung platziert wird. Je nach Größe der Projekte kann sich das über fünf bis zwanzig Sitzungen hinziehen.

Die Einrichtung wird natürlich immer auf Bedürfnisse und Geschmack des Auftraggebers zugeschnitten. Dies gilt vor allem für die Farbgestaltung und das Lichtkonzept.  Wie schon gesagt, gibt es gewisse Möbel z.B. für Funktionsräume, die bereits  vorgefertigt sind. Ansonsten wird nichts aus der Schublade gezogen. Empfangsbereich, Rezeptionstheke, Sprechzimmer sind in gewissem Sinn immer Unikate. Anders gesagt: Wenn ein Kunde für seine Praxis karierte Maiglöckchen haben möchte, dann bekommt er die – und zwar maßgeschneidert.

Jede Facharztpraxis hat ja spezielle Anforderungen. Gibt es in Sachen Praxis-Projekt Fachrichtungen, die Sie besonders gut können?

ERNST WETZEL: So gesehen liegt das Knowhow für die Gestaltung aller Facharztpraxen vor. Wir wissen beispielsweise auch, dass Zahnärzte zu den ausgeprägten Individualisten gehören. Aber das passt zu unserer Kompetenz, wir kommen damit sehr gut hin. Zudem hat es sich so ergeben, dass wir auch viele gynäkologische Praxen einrichten mit all ihren Besonderheiten wie z.B. Behandlungszeilen mit eingebauten Wärmeschubladen für Instrumente. Insgesamt aber richten wir Praxen aller medizinischen Fachrichtungen ein. Es gibt keine Schwierigkeiten. Denn wir nennen uns Team und bringen alle Fachleute, die für die Realisierung einer Arztpraxis erforderlich sind, für den Arzt als Kunden in dem Arbeitskreis zusammen.


Wie lange dauert es in der Regel von den ersten Planungsrunden bis zur Praxisübergabe, wenn die ersten Patienten auf den neuen Empfangstresen zusteuern können?

ERNST WETZEL: Wenn es ganz schnell gehen musste, haben wir schon Praxen innerhalb von fünf Wochen eingerichtet. Wie z. B. bei jenem Projekt, das sich bei einem Besuch auf der Medizin-Messe Medica ergeben hatte. Dabei ging es um eine Gynäkologie-Praxis – 300 Quadratmeter groß, alles vom Feinsten, aber 30 Jahre alt. Wir haben grundlegend neu geplant, alles entkernt und neu gestaltet – Fußbodenheizung, Wände, Türen, Installationen und Möblierung sowie Beleuchtung. Nach vier Wochen Handwerker-Einsatz war alles eingerichtet. Normalerweise brauchen Arbeiten dieser Größenordnung von der Planung bis zur Realisierung drei bis sechs Monate.

Referenzbild TEAM 77 - Praxiseinrichtungen

Referenz Empfang

Wie sieht die typische Kundensituation in den ersten Beratungsgesprächen aus? Das heißt, welche Vorstellungen, Fragen, Wünschen haben Mediziner?

ERNST WETZEL: Das ist sehr unterschiedlich. Bei einer Anfrage wollen wir zunächst erfahren: Was hat der Arzt vor, was möchte er? Liegt schon der Bauplan vor, hat der Bauherr schon einen Architekten? Die einen möchten mit ihrer Praxis umziehen und haben bereits neue Räume gefunden. In anderen Fällen plant der Arzt, mit einem Kollegen eine Gemeinschaftspraxis zu eröffnen. Dann bitten wir, den Bauplan zu besorgen. Anschließend werden gemeinsam die Voraussetzungen angesehen, die ganz verschieden sein können. Arbeitet der Arzt z.B. noch mit Patienten-Karteikarten, die er mitnehmen und erst später in der neuen Praxis in die EDV einpflegen will? Was ja bei der Möblierung mit berücksichtigt werden muss. Oder: Welche fachbezogenen Funktionsräume – z.B. für Ultraschall und EKG – sind erforderlich?

Am besten geht es mit einer Checkliste, in der der Arzt und Kunde seine Vorstellungen zusammenfasst. Damit kann dann unser hauptsächlicher Part beginnen. Um dem Arzt letztlich eine neue Praxis zu übergeben, die seine Wünsche und anfänglichen Vorstellungen möglichst noch ein bisschen übertrifft.

(Das Interview führte Marlies Däberitz, Journalistin)

Alle Fotos dieses Beitrages: Zur Verfügung gestellt von TEAM 77

Das Unternehmen TEAM 77 – Praxiseinrichtungen in Erkrath, Nordrhein-Westfalen wurde 1977 gegründet. Heute arbeiten hier 17 Beschäftigte in Planung, Technik und Fertigung.

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