Kinderfreundlich: Arztpraxis mit wenig Stress im Wartezimmer

Kinderfreundlich: Arztpraxis mit wenig Stress im Wartezimmer

Wie kleine Patienten kinderfreundlich und spielend abgelenkt werden

Wartezeiten beim Arzt können für Steppkes wenig kinderfreundlich und schnell zur Geduldsprobe werden. Nicht nur für die kleinen Quengler, auch für die anderen Kranken im Wartezimmer. Genauso wie für das Praxispersonal. Wie sich hier mancher Stress am besten rausnehmen lässt, wissen FRANK SCHWARZLOSE und BEATRIX KÖTHE von „Spielwand.Habitante“ in Potsdam. Mehr zu Spielecken in der Arztpraxis.

 

In Umfragen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung müssen Patienten in der Praxis im Schnitt 30 Minuten warten, bis sie aufgerufen werden. Es können aber auch schon mal zwei Stunden sein. Für Kinder wird diese Zeit im Wartezimmer wenig kinderfreundlich zur echten Herausforderung. Was also tun?

FRANK SCHWARZLOSE: Das Beste ist natürlich, den kleinen Patienten eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten. Sprich, kreatives Spielen, Lesen und Malen zu ermöglichen, das außerdem für verschiedene Altersgruppen geeignet ist. Und die Kinder sollen damit abwechslungsreich agieren können, ohne die Ruhe im Wartezimmer zu stören.

Kinderfreundlich und weniger Stress im Wartezimmer

Schon lange empfehlen auch kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen in unterschiedlichsten Studien, die Einrichtung von Wartebereichen kinderfreundlich zu gestalten. Weil es direkt hilft, die Patientenzufriedenheit zu verbessern.
Bei unserer Lösung geht es um eine Memory-Spielwand. Gestaltet ist das Ganze entweder als Zirkuszelt, Piratenschiff oder Angelteich.

 

Gibt es aus pädagogischer Sicht optimale Lösungen für Praxis-Spielecken? Womöglich lässt sich mit Spielwänden in punkto Wartezeit aus der Not sogar noch eine Tugend zu machen?

BEATRIX KÖTHE: Optimale Lösungen sind immer möglich. Beispielsweise haben wir mit unserer Spielecke kinderfreundlich ein Baukastensystem entwickelt, das alle Sinne anregt. Es kann gemeinsam oder allein gespielt, gemalt, geknobelt und gelesen werden. Zudem regen Illustrationen an den Spielwänden die Phantasie der Kleinen an.

Mal-Utensilien und Memory-Wand statt digitaler Spielkonsolen

Ganz bewusst verzichten wir übrigens auf elektronische Medien. Damit sind wir alle ohnehin genug überfrachtet. Immer mehr Eltern achten heute auf einen vernünftigen Medienkonsum ihrer Kinder. Mit „Spielwand.Habitante“ haben wir also bewusst eine Alternative zu digitalen Lösungen geschaffen. Denn das haptische Erlebnis beim Spielen und die Anregung zur Interaktion mit Altersgenossen sind für eine gesunde kindliche Entwicklung nicht zu unterschätzen.

Müssen Praxis-Spielecken eigentlich TÜV-geprüft sein?

FRANK SCHWARZLOSE: So etwas wie ein Prüfsiegel ist in dem Fall nicht gefordert. Doch unabhängig davon nutzen wir bei der Spielwand ausschließlich hochwertige Materialien und zertifizierte Produkte. Das heißt z.B., keine der einzelnen Komponenten birgt Verletzungsgefahren durch scharfe Kanten oder Kleinteile. Außerdem lassen sich die Bestandteile alle desinfizieren, die Sisal-Teppiche sind TÜV-zertifiziert und schadstoffgeprüft. Das Holzspielzeug besteht aus umweltfreundlichem Plantagenholz.

 

Oft bzw. meist sind es kranke Steppkes, die spielend abgelenkt werden sollen. Von daher könnten doch solche Spielecken bzw. -wände auch ziemlich „ansteckend“ sein?
BEATRIX KÖTHE: Dass sich erkältete Kinder anstecken, ist eher unwahrscheinlich. Zweitinfektionen treten nur sehr selten auf. Wenn das Kind bereits eine Viruserkrankung hat, arbeitet die körpereigene Abwehr bekanntlich bereits auf Hochtouren. Die Gefahr, sich einen weiteren Infekt einzufangen, ist sehr gering. Selbstverständlich muss jedoch für eine ausreichende Hygiene gesorgt werden. Die Erwachsenen sollten ein Auge darauf haben, dass die Kinder die Spielsachen nicht in den Mund nehmen. Und bei ansteckenden Kinderkrankheiten trifft das Praxispersonal ja sowieso besondere Vorkehrungen.

Eine Kiste mit Kinderbüchern allein kann es nicht sein

Angenommen, Spielbereiche wurden bei einer Praxisplanung schlicht vergessen – sind Kinder-Ecken im Praxis-Wartezimmer nachrüstbar?
BEATRIX KÖTHE: Wir ermutigen ausdrücklich alle Ärzte, die ihre Praxis kinderfreundlich gestalten möchten, sich auch nachträglich noch Gedanken zu machen. Einfach eine Kiste mit Büchern in Zweitverwertung hinstellen, das kann es unserer Meinung nach nicht sein.

Eine fantasievoll eingerichtete Spielecke dagegen ist ein Zeichen der Wertschätzung auch der kleinen Patienten.
So gesehen lohnt sich Nachrüsten immer. Und es funktioniert ganz unkompliziert. Unsere Spielwände beispielsweise benötigen samt Möblierung und Teppich etwa vier Quadratmeter. Sie lassen sich zurückhaltend in jedes Praxisambiente einbinden.

Wie ist überhaupt die Idee für die „Spielwand.Habitante“ entstanden? 

FRANK SCHWARZLOSE: Das liegt vier Jahre zurück. Damals gehörte zu einem Praxisneubau, den das Büro-Köthe gestalterisch begleitete, auch eine Kinderspielecke. Im Einklang mit der

Gruender der Idee Spielwaende für Arztpraxis kinderfreundlich

Beatrix Köthe und Frank Schwarzlose – die Gründer von „Spielwand.Habitante“.                                                                                                             Foto: B. Köthe

Gesamtgestaltung als „Praxis am Lehnitzsee“ entstand eine Piratenschiff-Spielwand. Im Frühjahr 2016 beauftragte uns dann die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. mit der Umgestaltung des Wartebereichs. Da Potsdam von vielen Seen umgeben ist, entwickelten wir das Motiv „Angelteich“.
Nach vielen positiven Reaktionen lag es nahe, die Idee auszubauen. Natürlich gibt es andere Marktangebote. Die werden aber häufig mit elektronischen Spielkonsolen verknüpft. Was wir wiederum aus pädagogischer Sicht nicht für sonderlich sinnvoll halten.

Spielzeug muss nicht immer knallbunt sein

Meist sind die Spielutensilien außerdem knallbunt. Aber für die trendigen Wartebereiche in minimalistisch modernem Design gibt es kaum Lösungen. Mit den Spielwänden haben wir nun eine gestalterisch eher zurückhaltende Alternative entwickelt. Diese lässt sich mit zusätzlichen Komponenten wie z.B. Mal- und Spielkisten sowie Möbel ergänzen. Seit Sommer 2016 sind wir zusammen mit „Büro Köthe“, einer Agentur für Raumgestaltung nun mit dem Spielwand-Projekt und einer Online-Präsenz am Markt.

(Fotos dieses Beitrages sind zur Verfügung gestellt von „Spielwand.Habitante“)

Foto oben: C. Basermann / www.bildschoen-potsdam.de

 

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