Medikationsplan läuft ab 2018 über digitale Gesundheitskarte

Medikationsplan läuft ab 2018 über digitale Gesundheitskarte

„Arzneimittel-Management – längst ein Riesen-Thema!“

Der Medikationsplan von Ärzten für ihre Patienten ist jetzt gesetzlich vorgeschrieben /  Die Vergütung ist geregelt, ein Update für die Software der Praxen wird vorbereitet/ Dr. med. Kirstin Börchers, Inhaberin der Unternehmensberatung BÖRCHERS CONSULTING+:  „Ein Medikationsplan war überfällig, denn das Arzneimittelmanagement ist lange schon ein Riesen-Thema im Risikomanagement von Arztpraxen.“

Es war eine „schwierige Geburt“ für die neue Regelung, jetzt ist sie unter Dach und Fach: Seit dem 1. Oktober 2016 haben Patienten ab drei Medikamenten Anspruch auf Erstellung und Aktualisierung eines Medikationsplanes. Vorausgegangen waren erhebliche Diskussionen und Einwände um und gegen die neue Bestimmung, die im E-Health-Gesetz verankert ist.

In den Vorrunden hagelte es beispielsweise Kritik von der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Die bezeichnete es als Gießkannenprinzip, wenn fast jeder Patient anspruchsberechtigt ist. Laut KBV-Management reiche es, wenn Patienten erst ab fünf und mehr Medikamenten von ihrem Arzt einen Medikationsplan aufgestellt bekommen.

Apotheker kennen die Selbstmedikation & sind mit im Boot

Bei den Apothekern wiederum stieß es auf lauten Widerspruch, als sie ursprünglich bei dem Thema völlig außen vor bleiben sollten. Mit Nachdruck machten die Pharmazeuten deutlich, dass sie es sind, die die Selbstmedikation der Patienten einbeziehen und Arzneimittelrisiken erkennen können. Schließlich fand sich ein Konsens. Demnach bleibt der Hausarzt beim Medikationsplan federführend, aber auch Vertragsärzte, Krankenhäuser und – auf Wunsch des Patienten – Apotheken dürfen den Medikationsplan aktualisieren.

Dr. Kirstin Börchers erläutert den Medikationsplan

Dr. med. Kirstin Börchers: „Regelung zum Medikationsplan war überfällig.“ Foto: QM BÖRCHERS CONSULT+

Kurz vor Inkrafttreten der neuen Regelung im Oktober 2016 einigten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf den letzten Drücker auch über die Art und Höhe der Vergütung des zusätzlichen Aufwandes, der durch die gesetzliche Verpflichtung für die Mediziner anfällt.

„Hier hat man sich auf zwei Modelle festgelegt. Entweder der behandelnde Arzt bekommt pauschal eine Einzelleistungsvergütung. Oder er rechnet es über Zuschläge ab“, sagt Dr. med. Kirstin Börchers, Inhaberin der Unternehmensberatung QM BÖRCHERS CONSULTING+. In jedem Fall werde der Aufwand extra-budgetär und damit zu einem festen Preis bezahlt. Und: Bei der Vergütung gebe es Unterschiede zwischen Hausärzten und Fachärzten.

Vergütung: Mediziner bekommen 2 bis 29 Bewertungspunkte

Nach Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wird bei Fachärzten für onkologische Patienten oder solche in Schmerztherapie oder mit Organtransplantation die Einzelleistungsvergütung „GOP 01630 für bestimmte Fachgruppen“ als Zuschlag zu den jeweiligen Zusatzpauschalen abgerechnet. Hier wird der erstellte Medikationsplan mit 39 Punkten bewertet. Beim Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale bekommt der Facharzt pro Medikationsplan je nach Fachgruppe zwei bis neun Bewertungspunkte.

Das Procedere der Abrechnung mit der KV dürfte recht unkompliziert verlaufen. Kirstin Börchers: „Sicher wird es ein überschaubares Abrechnungsprinzip für Haus- und Fachärzte gleichermaßen geben, da der Zuschlag automatisch von der KV zugesetzt wird.“

„Für mehr Patientensicherheit war der Medikationsplan längst überfällig“

Der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Medikationsplan war nach Meinung von Beratungsexpertin Dr. Börchers sowieso längst überfällig. „Im Hinblick auf die Patientensicherheit ist das Arzneimittel-Management im Praxen-Alltag schon lange ein Riesen-Thema. Und das nicht nur durch die neue GBA-Richtlinie, die explizit Strukturen des Risikomanagements in Arztpraxen fordert.“ so die Fachfrau für Qualitäts-und Risikomanagement im Gesundheitswesen.

Unbedachter Arzneimittel-Mix endete zu oft im Krankenhaus

Sie verweist auf einschlägige Untersuchungen in Kliniken. „Demnach erfolgen etwa fünf Prozent der (ungeplanten) Aufnahmen auf eine internistische Station, weil es zuvor zu einer unerwünschten Arzneimittelwirkung im ambulanten Bereich kam. Bei älteren Patienten sind es zehn Prozent.“ Kirstin Börchers weiter: “Eine Analyse mehrerer Einzelstudien kommt zu dem Schluss, dass es rein theoretisch in einer größeren Vertragsarztpraxis mit rund 1.000 kontinuierlich betreuten Patienten pro Jahr zu 180 unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommt. Von denen wären 40 Fälle vermeidbar.“ (KBV PraxisWissen / Arzneimitteltherapiesicherheit)

Für niedergelassene Ärzte empfiehlt sich im Zuge der Neuregelung auch der Blick auf die technischen Voraussetzungen in ihrer Praxis. Ganz regulär wird der Medikationsplan jetzt noch auf Papier ausgefertigt. Das bleibt keine Dauerlösung. Nach heutigem Stand soll der Medikationsplan ab 2018 auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Bis zum Ende einer Übergangsfrist müssen alle Vertragsärzte in der Lage sein, einen auf der E-Karte gespeicherten Medikationsplan zu aktualisieren.

Software-Hersteller werden von KBV zertifiziert

Bei den dafür nötigen technischen Vorkehrungen kann Unternehmensberaterin Kirstin Börchers keine großen oder allzu kostspieligen Hürden für die Ärzte erkennen. Denn: Jeder niedergelassene Mediziner nutze schon eine zumindest einfache Praxis-Software.  Jetzt, durch die Verordnung zum Medikationsplan, brauche es nur ein einsprechendes Zusatz-Modul zur vorhandenen Praxissoftware. Kirstin Börchers: „Die  Software-Häuser sind von der KBV bereits aufgefordert, die Verordnungs-Software mit dem bundeseinheitlichen Medikationsplan zu ergänzen.“  Und: Die KBV wird die betreffenden Software-Hersteller zertifizieren.

Schon bald, ab 01. April 2017 ist die Verwendung eines bundesweit einheitlichen Medikationsplanes ein Muss. Bis dahin, so Kirstin Börchers, werde es für Arztpraxen sicher eine Software-Aktualisierung gegeben haben. „Ich denke, die Ärzte werden von ihrem Software-Anbieter ein entsprechend kostenpflichtiges Update erhalten.“

Auch schon vorher soll möglichst elektronisch gearbeitet werden, ein Barcode auf dem Medikationsplan etwa kann mittels Barcode-Scanner für Aktualisierungen genutzt werden.

Aktuell gelten Übergangsfristen, über die sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK) und Deutscher Apothekerverband (DAV) verständigt haben. So lange ihre Software nicht entsprechend aufgerüstet ist, können Ärzte noch bis 31. März 2017 und Apotheker bis 31. Dezember 2018 vom bundeseinheitlichen Plan abweichende Medikationspläne ausfertigen bzw. manuell aktualisieren.

Marlies Däberitz, Diplomjournalistin

Foto oben: Dr. Kirstin Börchers und MdB Ingrid Fischbach, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium / Foto: Marie-Theres Niessalla

Fotos: Alle Fotos dieses Beitrages wurden zur Verfügung gestellt von QM BÖRCHERS CONSULTING+

Dr. Kirstin Börchers Auszeichnung von Ex-Bundespräsident Wulf, sie begrüßt Medikationsplan

Die Unternehmensberatung QM BÖRCHERS CONSULTING + hat ihren Sitz im nordrhein-westfälischen Herne. Inhaberin Dr. med. Kirstin Börchers managt eine der wenigen weiblich geführten Unternehmensberatungen bundesweit.  2015 erhielt sie aus den Händen von Ex-Bundespräsident Christian Wulff die Auszeichnung „Top Consultant: Die besten Berater für den Mittelstand“ (im Bild rechts/ Foto: M.-T. Niessalla).  

Ein KBV-Patientenflyer zum Medikationsplan kann kostenlos bestellt werden unter versand@kbv.de

 

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