Was Medizintechniker für die Zukunft der Arztpraxen alles in petto haben

Was Medizintechniker für die Zukunft der Arztpraxen alles in petto haben

Medizintechniker und Ärzte in Kliniken sowie in Praxen mittendrin in der digitalen Welt

Noch vor Kurzem klangen die neuesten Trends der Medizintechniker im Arbeitsalltag der Ärzte wie Zukunftsmusik. Jetzt befinden sich die Heilberufler in Kliniken und Arztpraxen längst mittendrin in der digitalen Welt. Und: Medizintechniker wie Innovationsexperten haben für die Ärzteschaft weiterhin sehr viel Neues in petto.

Wohin geht die digital geprägte Reise in der Gesundheitsbranche? Das erfährt man in der Regel zuerst auf renommierten Fachmessen wie der Düsseldorfer Leitmesse Medica sowie auf fachbezogenen Internetportalen. Was Medizintechniker hier alles vermelden, scheint bisweilen atemberaubend.  Die meisten der aktuellen Neuerungen stehen vor der Praxisreife bzw. existieren als Prototyp. Oder sie sind auf bestem Weg dahin. Dabei laufen die derzeitigen Neuerungen und Trends immer darauf hinaus, die Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie deutlich zu erweitern.

Optische Verfahren sind stark im Kommen 

Stark vertreten ist dabei der Zweig der Medizintechniker.  Wie die Leitmesse Medica in Düsseldorf in jüngster Zeit immer wieder dokumentiert, sind optische Verfahren für eine optimalere Diagnostik stark im Kommen.

  • So entwickeln Fraunhofer Institut, das Unternehmen Electronic Design Chemnitz und eine kanadische Firma gemeinsam ein Mikro-Opto-Elektro-Mechanisches System. Wie von der Medica verlautet, soll das System für die optische Kohärenztomographie (OCT) eingesetzt werden. Ergebnis sei höhere Präzision bei gleichzeitiger Miniaturisierung. Dadurch, so heißt es aus Expertenkreisen, sei es möglich, ein Endoskop mit einem hochpräzisen Kohärenztomografen auszustatten. Letztlich erhält man nicht-invasiv dreidimensionale Aufnahmen von Gewebestrukturen. Vorgesehen ist es z.B.für die Augenheilkunde. Hier lassen sich mit dieser Art der OCT-Untersuchung Beschaffenheit und Erkrankungen der Netzhaut erkennen.

Mehr Sicherheit bei Arznei-Dosierungen

Wie das BVMed-Portal für Gesundheitstechnik berichtet, sind bei innovativer Medizintechnik mehrere neue Trends auszumachen. Dazu zählen u.a. Komi-Produkte, Mobile Health, 3D-Druck und personalisierte Medizin.

  • Kombiprodukte wie z.B. medizintechnische Geräte mit Arzneimittelanteil bringen mehr Sicherheit bei der Dosierung von Medikamenten. Grund: Irrtümer bzw. vom Menschen verursachte Fehler können ausgeschlossen werden.
  • Auf Fach-Foren seit langem im Gespräch sind Beschichtungen mit antimikrobieller Wirkung. Vorzugsweise genutzt für Katheder. Deren Oberfläche ist mit einer speziellen Substanz behandelt. Diese tötet Bakterien in ihrer Nähe ab. Sie verhindert außerdem, dass Substanzen ins Gefäßsystem gelangen und Nebenwirkungen verursachen können.

Mobile Health einer der Schlüsselbegriffe

  • Stark im Kommen ist ebenfalls der Einfluss der Digitalisierung auf den Therapieverlauf. Mobile Health steht als Schlüsselbegriff für vielfältige Möglichkeiten. Beispielsweise können sich Patienten mittels eines mobilen Gerätes unter ärztlicher Anleitung selbst Medikamente verabreichen. Für den behandelnden Mediziner in der Klinik erübrigt sich die tägliche Visite. Dem Arzt reichen die mobil gesendeten Daten über den Verlauf der Therapie aus.

Apps als Medikamenten-Timer

Für niedergelassene Ärzte immer interessanter könnten spezielle Apps werden.Diese können den Therapieverlauf eines Patienten begleitend unterstützen. Bestimmte Funktionen z.B. erinnern den Patienten, wenn es Zeit ist zur Medikamenteneinnahme. Oder sie ermöglichen es, ein Krankheitstagebuch zu führen. Solche Apps funktionieren mit Smartphone, Tablet oder PC. Sie sind für den Patienten ständig verfügbar und machen die Einhaltung der Therapie für den Arzt nachvollziehbar.

3D-Drucker eröffnen medizinisch neue Dimensionen

  • Vielversprechend ist ein Projekt von dem Münchner Startup Curefab. Das 15-köpfige Team will Schlaganfälle durch rechtzeitige Therapie verhindern helfen. Ohne, dass Patienten bei teuren Untersuchungen einer hohen Strahlendosis ausgesetzt werden. Dazu rüsten die Münchner Ultraschallgeräte mit einem speziellen 3D-Sensor aus. Mit dessen Hilfe lassen sich Verkalkungen in Blutgefäßen ebenso erkennen.
  • Mit fortschreitender Anwendung von 3D-Druckern eröffnen sich auf medizinischem Gebiet neue Dimensionen. Laut Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) sind diese Möglichkeiten in Kombination mit aseptischen Hightech-Materialien beachtlich. So heißt es auf dem BVMed-Portal: Implantate können so auf den jeweiligen Patienten abgestimmt individuell gedruckt werden. Wie Experten erklären, können nach Verbrennungen z.B. die entsprechenden Hautpartien ausgedruckt und ersetzt werden. Marktgrößen in Reihen der Medizintechniker wie Altran Deutschland haben das Potenzial längst erkannt. Bei ihnen ist der 3D-Druck bereits in Entwicklungsprojekte integriert, um Prototypen herzustellen. Sind solche Geräte schließlich auch noch kostensparend für Krankenkassen – rechnen sich Hersteller gute, ja sehr gute Marktchancen aus.

Foto oben:

Bilder des ungeborenen Kindes lassen sich von einem Ultraschallgerät direkt aufs Smartphone senden. Möglich macht das eine „Hello Mom“-App für Android, die Samsung 2013 auf der Medica Düsseldorf vorgestellt hat.  Foto: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann