Das ist neu bei Brillen, Gymnastik, Massagen auf Rezept

Das ist neu bei Brillen, Gymnastik, Massagen auf Rezept

Neuregelungen bei Massagen auf Rezept und anderen Therapien

Man kennt das: Patient hat „Rücken“ und geht zum Arzt und bekommt Massagen auf Rezept. Denn der Mediziner versucht bei leichten Fällen zunächst die Medikamentenkeule wegzulassen und verordnet Physiotherapie. Sagen wir – 6 mal Rückenmassage und 6 mal Fango-Packung. So lief das bisher. Aber bald schon wird nicht mehr der Arzt, sondern der Physiotherapeut entscheiden, wieviele Heilmittel-Behandlungen dem Patienten zugestanden werden. Grund für den Wechsel der Zuständigkeit ist das neue Gesetz für die Heil- und Hilfsmittelversorgung. Schon im vorigen Jahr hat es die Bundesregierung auf den Weg gebracht, dann ging es durch den Bundestag und Mitte März 2017 hat schließlich auch der Bundesrat „Ja“ gesagt. Mit Inkrafttreten wird also nicht mehr der Arzt, sondern der Therapeut das Sagen haben über Intensität und Umfang einer Heilmittelbehandlung.

Modellvorhaben: Blankoverordnung für Massagen auf Rezept

Das neue Gesetz bringt noch weitere Veränderungen bei der Versorgung mit Heilmitteln wie Massagen auf Rezept. Neues wird es außerdem bei der Finanzierung von Hilfsmitteln durch die Krankenkassen geben.

Welche Änderungen bringt also die Gesetzes-Novelle für die Heil- und Hilfsmittelversorgung? Beispielsweise:

  • Versicherte, die Gläser mit mindestens 6 Dioptrien oder wegen Hornhautverkrümmung von mindestens 4 Dioptrien benötigen, haben einen Anspruch auf Kostenübernahme – in Höhe des Festbetrags beziehungsweise des von ihrer Krankenkasse vereinbarten Vertragspreises. Bisher wurden die Kosten für Brillengläser nur für Kinder und Jugendliche übernommen.
  • Damit Patienten unter zuzahlungsfreien Hilfsmitteln das für sie beste auswählen können, müssen sie auf eine gute Beratung vertrauen können. So werden sie auch vor ungerechtfertigten Mehrkosten geschützt. Ob Gehörgeräteakustiker oder Sanitätshaus: Wer Hilfsmittel zur Verfügung stellt, muss umfassender beraten und die Beratung dokumentieren.
  • Im jedem Bundesland wird ein Modellvorhaben für Heilmittel zur sogenannten „Blankoverordnung“ eingerichtet. Bei diesen Modellvorhaben verschreibt weiterhin der behandelnde Arzt die Ergo- oder Physiotherapie. Aber er verordnet nicht mehr, ob beispielsweise 10 oder 20 Anwendungen notwendig sind. Künftig entscheidet der Therapeut, wie oft und in welchen zeitlichen Abständen die Therapie sinnvoll ist.
  • Wenn Erwachsene durch häusliche oder sexuelle Gewalt Schaden nehmen, muss der behandelnde Arzt dies nicht mehr der Krankenkasse mitteilen. Es sei denn, der Versicherte ist einverstanden. Bisher galt nur bei Kindern, dass von der Mitteilungspflicht gegenüber der Krankenkasse Abstand genommen werden konnte. Hintergrund ist der Schutz von Opfern von Gewalt. Sie sollen mit entscheiden dürfen, wer was über sie erfährt.
  • Das Gesetz enthält auch eine Regelung für Notärztinnen und Notärzte. Nicht immer ist es einfach, genügend Ärztinnen und Ärzte für Notarzteinsätze zu finden. Denn meist übernehmen Ärzte Notfalleinsätze zusätzlich zu ihrer Tätigkeit in einer Praxis oder im Krankenhaus. Nun werden Notärzte für das Honorar aus ihrer zusätzlichen Tätigkeit von Sozialversicherungsbeiträgen befreit.

Foto: pixabay.com