Was halten Sie vom Video-Chat mit dem Doktor?

Was halten Sie vom Video-Chat mit dem Doktor?

Mit Sicherheit ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Videosprechstunde mit dem Doktor zur gängigen Praxis wird. Aber das Patientengespräch per Video mit dem Arzt ist heftig umstritten. Während viele niedergelassene Mediziner dafür sind, gehen die Meinungen bei Patienten weit auseinander. Alle haben gute Gründe. Und was halten Sie vom Video-Chat mit dem Doktor?

Bis jetzt ist das Diagnosegespräch per Videochat in Deutschland noch nicht erlaubt. Aber beim nächsten Deutschen Ärztetag im Mai 2018 in Erfurt wollen die Vertreter der Ärzteschaft darüber entscheiden. Und alles deutet darauf hin, dass es ein deutliches Veto für die Videosprechstunde geben wird. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es so beschlossen werden“, sagt Fritz Bartmann vom Vorstand der Bundesärztekammer in einem Beitrag bei heise.de online. Er stützt sich dabei auf Verlautbarungen einer Expertengruppe aus Ärzten und Juristen. Diese habe sich dafür ausgesprochen, zumindest in Ausnahmefällen Diagnosen über den Bildschirm oder per Telefon zu erlauben. Es wäre auch ein weiterer Schritt in Richtung Ausbau der Telemedizin.
Bis es aber soweit ist, dürfen per Chat lediglich Folgebehandlungen vorgenommen werden. Heißt, der Patient muss bereits in der Praxis behandelt worden sein. Aus Sicht der Mediziner spricht eine ganze Reihe für diesen Einsatz der Telemedizin. Zum einen lässt sich mit kompetenten Diagnosen aus der Ferne der Ärztemangel in der ländlichen Gesundheitsversorgung ein Stück weit abfedern. Zum anderen reduzieren sich längere Anfahrtswege und Wartezeiten. Ein unschlagbares Argument auch für Patienten, die sich auf diese Weise außerdem womöglich eine Ansteckungsgefahr im Wartezimmer ersparen.

Fast 30 Prozent lehnen Online-Sprechstunde ab

Aber das sehen längst nicht alle Patienten so. In einschlägigen Erhebungen in Sachen Online-Konsultationen lag die Zustimmung der Befragten im besten Fall bei ca. 50 Prozent, meistens aber darunter. Wie die Online-Plattform aerzteblatt.de Mitte 2017 vermeldete, können sich nur drei von zehn Deutschen (27 Prozent) vorstellen, künftig eine Online-Sprechstunde zu nutzen. So lautet das Fazit aus einer Umfrage, die der Digitalverband Bitkom zusammen mit der Bayerischen TelemedAllianz durchgeführt hat. Die meisten der Ablehner fürchten übrigens, dass die Online-Sprechstunde zu einer Fehlbehandlung führen könnte. Und reichlich die Hälfte der Befragten sorgt sich, dass ohne direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient das Vertrauensverhältnis auf der Strecke bleiben könnte. Ebenfalls jeder Zweite fürchtet, dass via Internet sensible Gesundheitsdaten in falsche Hände gelangen könnten.

Für und Wider in Internet-Foren

Auch in den Kommentar-Chats auf heise.de machen User aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Beispielsweise postet hier einer unter dem Alias-Namen trilling: „… beim Videochat fehlt das Gefühl, ernst genommen zu werden, aufgehoben zu sein. Es fehlt jemand, der durch ein richtiges Gespräch schon die halbe Krankheit gesund redet. … Nachbehandlungen oder Notfallkonsultationen mögen in Ordnung sein, da, wo Erkrankung bekannt und Routine ist.“ Der User sieht allerdings auch Vorteile: „Erst mal muss man nicht duschen, man muss nicht direkt warten und bekommt den Strubbel im Wartezimmer nicht mit …“
Ja tatsächlich – „Die Online-Sprechstunde ist nicht für eingehende körperliche Untersuchungen gedacht, sondern etwa für das Einholen einer Zweitmeinung oder eines Folgerezepts. Auch die Besprechung von Untersuchungsergebnissen oder ein reines Informations­gespräch können online oft genauso gut stattfinden wie in einer Praxis“, findet Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Software zum Chatten kostet bis 70 Euro im Monat

Experten von Verbraucherschutzzentralen wie der von Nordrhein-Westfalen finden Online-Sprechstunden generell gut. Sie würden es auch unterstützen, wenn Krankenkassen solche Sprechstunden bezahlen. Zurzeit bieten erst einige hundert der knapp 379.000 zugelassenen Ärzte Videosprechstunden an. So vermelden es zertifizierte Anbieter entsprechender Software. Für solch eine Software müssten Mediziner derzeit noch 30 bis 70 Euro pro Monat bezahlen. Und dürfen lediglich für vergleichsweise günstige Folgebandlungen höchstens 800 Euro pro Jahr abrechnen.
Kinderarzt Voigt aus Melle bei Osnabrück verweist außerdem auf ein anderes Handicap: Für Landärzte wie ihn sei das Internet gegenwärtig zu schlecht, um Videosprechstunden anzubieten.                                                                                                                  MD

Patienten haben oft Online-Diagnose parat

Foto oben: pixabay