Patienten haben oft Online-Diagnose parat

Patienten haben oft Online-Diagnose  parat

Immer mehr Patienten machen sich erstmal im Netz mit einer Online-Diagnose schlau, bevor sie mit ihren Beschwerden zu ihrem Arzt gehen. Ihre Suche gilt quasi einer Beratung von Dr. Online. Sie wollen im Internet herausfinden, woran sie möglicherweise leiden. Anschließend kommen einige mit einem Packen von Internetausdrucken zur Sprechstunde bei ihrem Arzt. Der zeigt sich dann manchmal genervt. Muss er aber nicht.

Foto: Arztabrechnung | © akf

Online-Diagnose: der Suchmaschinen informierte Patient

Wer sich heutzutage zu Diesem und Jenem schlau machen möchte, geht ins Internet und googelt. Auch in Gesundheitsfragen. Auf diese Weise führt der Trend immer mehr hin zum mündigen, informierten Patienten. Der kann sich in Internet, Zeitschriften, Patientenforen oder Sendungen Fachwissen anlesen und er sammelt so schon Hinweise für seine eigene Krankheitsdiagnose.

Welche Krankheiten am meisten im Netz gegoogelt werden, hat eine Studie der privaten „Central Krankenversicherung“ untersucht. Laut „Ärzte Zeitung“ wurden dazu von 2013 bis 2014 rund 41 Millionen Google-Suchanfragen aus Deutschland analysiert. Das Ergebnis dieser Studie „Praxis Dr. Internet“  ist eine Liste mit den 50 meist aufgerufenen Krankheiten.

Studie „Praxis Dr. Internet“ nennt die Top 50 der meist gegoogelten Krankheiten

Ganz vorn steht dabei Schilddrüsenvergrößerung, gefolgt von Diabetes, Hämorrhoiden, Magenschleimhautentzündung, Magersucht und Neurodermitis.

„Online-Diagnose: Ein Suchmaschinen informierter Patient ist häufig verunsichert und braucht Orientierung vom Arzt“

Mediziner zeigen sich bei umfassend und Suchmaschinen informierten Patienten hin und wieder genervt. Das müssen sie – bei allem Zeitdruck – aber nicht. Denn das Problem dabei: Angesichts der Informationsmenge aus dem Internet ist der Patient gar nicht so sicher, ob seine Symptome und die Auskünfte aus dem Netz tatsächlich zusammenpassen. Anders gesagt: Meist ist der gut informierte Patient eher verunsichert, braucht angesichts der Informationsmenge Orientierung und möchte wissen: „Was habe ich nun wirklich, Herr Doktor und was kann man zur Heilung tun?“ Der Mediziner versucht also, auf die Punkte seines Patienten einzugehen und sich mit ihm über Diagnose und passende Therapie zu verständigen. Ablehnende Reaktionen auf die Informationen des Patienten würden das Gespräch und in der Folge womöglich auch das Vertrauensverhältnis eher erschweren. Denn es ist so gut wie sicher: Der Patient mit seiner Gesundheitsrecherche will sich in seine persönliche Situation und nicht in die Kompetenz des Arztes einmischen.

Kann das Internet tatsächlich den Arztbesuch ersetzen? Eher nicht, denn die Diagnosen, die Suchmaschinen auswerfen, sind vielschichtig und leider nicht immer korrekt. Wenn es also um fundierte Diagnose und Therapie geht, liegen Hausarzt, Facharzt oder Klinik weit vor der anonymen Online-Beratung.